Blick auf die Burg Stolberg, © Stolberg-Touristik / BB

Auszug aus der Geschichte von Stolberg

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Romantische Gässchen und Hochtechnologie mit Weltruf prägen das heutige Stolberg.

Die Entwicklung des Stolberger Wirtschaftsraumes ist über Jahrhunderte ganz entscheidend durch den Abbau und durch die Nutzung von Erz und Kohle geprägt  worden. Im Bereich der Erzlagerstätten, die sich hauptsächlich im Süden des Stadtgebietes befinden, können keltische Schürftätigkeiten als wahrscheinlich und Bergbauaktivitäten zu römischer Zeit als zweifelsfrei belegt gelten. Der römische Erzabbau und das daraus resultierende Metallgewerbe führten zwischen dem 1. und 4. Jahrhundert zu einer ersten wirtschaftlichen Hochblüte. Eine besondere Rolle spielten hierbei die als Galmei ausgebildeten Zinkerze, die bei der Herstellung des Messings Verwendung fanden.

Auf das 12. Jahrhundert geht die Gründung der Burg bzw. deren Vorgängerbau zurück. Als weithin sichtbares Wahrzeichen thront der mächtige Baukörper nach wechselvoller Geschichte auf einem Kalkfelsen hoch über der Stadt.

Vorindustrielle Wirtschaftsentwicklung
Spätestens im 13. Jahrhundert entwickelte sich an den Oberläufen von Vicht und Wehe auf der Basis lokaler Erze das Eisenhüttengewerbe der Reitmeister. Einer dieser Reitmeister, nämlich Jeremias Hoesch (der Jüngere) kann als Stammvater der Hoesch-Dynastie gelten, die später im Ruhrgebiet den gleichnamigen Weltkonzern gründete. In der breiten Produktionspalette der Reitmeister spielte u.a. die Herstellung von Nägeln aller Art und Größe eine wichtige Rolle.

In den frühen 1570er Jahren erkannte der Aachener Leonard Schleicher als erster Kupfermeister die für das Messinggewerbe wichtigen Standortvorteile (u.a. Wasserkraft sowie nahe gelegene Erz- und Steinkohlelagerstätten) im Stolberger Tal und verlegte seinen Kupferhof von Aachen nach Stolberg. Mit dem Bau dieser Anlage entstand 1575 der erste Kupferhof (spätere Adler Apotheke) und gleichzeitig das erste aus Stein errichtete Wohnhaus in Stolberg.

Durch seinen Umzug nach Stolberg leitete Leonard Schleicher einen Exodus der Kupfermeister aus Aachen ein, wobei die Umsiedlung der protestantischen Kupfermeister nicht nur von unternehmensstrategischen Erwägungen, sondern zum Teil auch von der im katholischen Aachen einsetzenden Gegenreformation bestimmt war.

Spätestens im 18. Jh. wurden die Messingmärkte von den Stolberger Kupfermeistern fast monopolartig beherrscht. Produktbezeichnungen und Handelsnamen wie Afrika-Pfanne, Guinea-Kessel, Lissaboner Pfanne etc. zeugen von der internationalen Ausrichtung der einstigen Handelsverbindungen.

Industrielle Entwicklung
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kündigte sich der Niedergang des Kupfermeistergewerbes u.a. dadurch an, dass man nunmehr in der Lage war, aus dem Galmeierz metallisches Zink zu gewinnen. Das Galmeierz, welches beim klassischen Verfahren des Messingbrennens mit einem Gewichtsanteil von mindestens 2/3 beteiligt gewesen war, ließ sich nun zur Zinkherstellung nutzen. Das so hergestellte Zink wurde einerseits zum eigenständigen Werkstoff für eine variantenreiche Produktpalette und ließ sich andererseits als ca. 30 prozentiger Legierungszuschlag zur Messingherstellung einsetzen, wodurch die Standortbindung des Messinggewerbes bzw. der Standortvorteil des Stolberger Tals entfiel.

Einigen der ansässigen Kupfermeisterfamilien (insbesondere Prym und Schleicher) gelang es, ihre Produktion bzw. Fertigungsmethoden dem Strukturwandel anzupassen. Die Kupfermeisterfamilie Schleicher beispielsweise errichtete 1873 in unmittelbarer Nähe des Untersten Hofes eine Anlage, die als weltweit erstes und ältestes industriell betriebenes Messingwerk gilt.

Im Zuge fortschreitender Industrialisierung wurde Stolberg bedeutendes Zentrum der Blei- und Zinkindustrie sowie mit insgesamt 11 Glashütten wichtiger Standort einer Hohl- und Flachglasindustrie.

Nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich Stolberg zu einer modernen Industriestadt. Große Stolberger Unternehmen aus den Bereichen Metallverarbeitung, Glas-, Kosmetika-, Seifen- und Pharmaka-Industrie stellen nach modernsten Fertigungsmethoden Produkte von Weltruf her. Hierzu gehören beispielsweise die Kurzwaren der Firma Prym, die Erfolgsmarke „Tabac Original“ des Unternehmens Mäurer & Wirtz sowie die von der Firma „Schwermetall Halbzeugwerk“ hergestellten Sonderlegierungen, die in der Herstellung von Euro-Münzen Verwendung finden.

Aber auch in Stolberg spielt der Dienstleistungssektor eine zunehmend wichtiger werdende Rolle. Man ist sich der Bedeutung ökologischer Aspekte sowie der sogenannten weichen Standortfaktoren in hohem Maße bewusst. Nicht zuletzt leistet die Stolberg-Touristik seit Jahren ihren Beitrag, die Attraktivität sowie den Freizeitwert der Stadt für ansässige Bürger und Touristen zu erhöhen.

Quelle: Alphabet der Heimatkunde