Ballonfahren, © Pixabay

Ballonfahren - nichts für Angsthasen???

Ein großer Traum meiner Mutter war es, einmal mit einem Heißluftballon in Lüfte zu steigen und sich für ein paar Stunden frei wie ein Vogel zu fühlen. Abseits des täglichen Lebens die Natur des Nationalparks Eifel und den Rursee von oben zu bestaunen. Zu ihrem 60. Geburtstag erfüllte ich ihr diesen Traum. Eines hatte ich jedoch nicht bedacht. Erlebnisse solcher Art sollten geteilt werden und somit musste eine Begleitung her. Das Ticket zu überreichen fiel mir leicht, als ich jedoch die Ehre erwiesen bekam, meine Mutter bei ihrer ersten Ballonfahrt zu begleiten, wurde es mir schon anders. Hatte ich doch Höhen- und Flugangst und schon als Kind wurde es mir in allen möglichen Fortbewegungsmitteln übel. Das eine Ballonfahrt wetterabhängig ist und sich das gewählte Datum oftmals verschiebt, kam mir gerade recht. Bei den Telefonaten mit dem Piloten bedauerte ich sehr, wenn wieder ein ausgewählter Flugtag wetterbedingt abgesagt wurde. Sobald ich jedoch den Telefonhörer bei Seite legte, freute ich mich umso mehr. Zumindest im Stillen, denn ich wollte nicht als Angsthase abgestempelt werden. Schließlich vertraute ich mich dem Piloten an und fragte, wie es eigentlich mit Höhen- oder Flugangst aussieht. Er versicherte mir, dass solche Ängste bei einer Ballonfahrt nicht entstehen würden und erklärte es mir: „Wenn man zum Beispiel von einem hohen Bauwerk schaut, wirkt das Gebäude unten wesentlich schmäler als im oberen Bereich. Das kommt daher, dass die Bezugslinien verzerrt werden. Man entwickelt den Eindruck, dass das Bauwerk nach vorne zu kippen droht. In der Fotografie nennt man das stürzende Linien. Der entscheidende Unterschied zu einer Fahrt im Heißluftballon ist, dass der Ballon nicht mit dem Boden verbunden ist und der Korb vom Rand bis zum Korbboden nur etwa 1,30 Meter misst. Somit werden keine Linien verzerrt und entsteht kein Hirn-Augen-Gleichgewichts-Chaos und somit auch kein Schwindel. Zudem schwankt der Korb nicht und man fühlt sich, als stände man auf dem Boden.“ Wirklich beruhigt hatte mich diese Erklärung nicht, schließlich kannte er meine Ängste nicht und ich war der Überzeugung, dass ich der einzige Mensch auf dieser Welt bin, bei dem diese Theorie nicht greift. Mit zittrigen Beinen kam ich am Startplatz in Rurberg im Rurseezentrum an. Ich hatte mich schon an den Gedanken gewöhnt, die gesamte Fahrt sitzend auf dem Korbboden zu verbringen. Alle Fahrgäste packten beim Aufbau mit an. Man wuchs als Team zusammen und es ist beeindruckend, wie groß eine Ballonhülle ist. Das Geschehen lenkte mich ab und ich hatte keine Zeit darüber nachzudenken, dass ich gleich in die Luft gehen sollte. Plötzlich gab der Pilot die Anweisung: „Bitte einsteigen.“ Es ging alles ganz schnell und ein Blick nach unten verriet mir, dass wir bereits eine beachtliche Höhe erreicht hatten. Der Pilot hatte Recht behalten. Mich überkam kein mulmiges Gefühl, keine Übelkeit, kein Schwindel und keine Angst. Die Fahrt war nicht nur für meine Mutter faszinierend, sondern auch für mich. Ich konnte jede Minute in vollen Zügen genießen und dann überkam mich ein Gefühl von Freiheit. Von oben wirkte der Nationalpark Eifel wie eine Modelllandschaft. Faszinierend, die Größe des Schutzgebietes und die Wasserfläche des Rursees mit dem bloßen Auge zu erkennen, was sonst nur auf einem Bild oder auf einer Wanderkarte möglich ist. Alle Alltagssorgen und Gedanken verschwanden und wirkten wie die Landschaft winzig klein. Auch wenn man in etwa 1000 Metern Höhe in der Luft unterwegs ist, fühlte ich mich geerdet. Ein Perspektivenwechsel der besonderen Art, der mich noch wochenlang in meinem Alltag begleitete. Nach einer sanften Landung und dem zusammenpacken des Ballonequipments im Team, fand die traditionelle Ballonfahrertaufe statt. Diese erlebnisreiche Ballonfahrt konnte ich nicht vergessen. Es hat nur eine Ballonfahrt gebraucht, um den Wunsch zu entwickeln einen Pilotenschein für Heißluftballone zu machen. Und zwei Monate um zu erkennen, dass es keine Spinnerei ist und ich mich zur Ausbildung angemeldet habe. Heute kann ich sagen: „Ja, eine Ballonfahrt ist auch etwas für große und kleine Angsthasen. Ich bin der beste Beweis“.

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