Ballon 20

Ballonfahren - nichts für Angsthasen???

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Mutters großer Traum war es, einmal mit einem Heißluftballon in Lüfte zu steigen und sich für ein paar Stunden frei wie ein Vogel zu fühlen. Abseits des täglichen Lebens die Natur des Nationalparks Eifel und den Rursee von oben zu bestaunen. Zu ihrem 60. Geburtstag erfüllte ich ihr diesen Traum. Eines hatte ich jedoch nicht bedacht. Erlebnisse solcher Art sollten geteilt werden und somit musste eine Begleitung her. Das Fahrticket zu überreichen viel mir leicht, als ich jedoch die Ehre erwiesen bekam, meine Mutter bei ihrer ersten Ballonfahrt zu begleiten, wurde es mir schon anders. Hatte ich doch Höhen- und Flugangst und mir wurde es schon als Kind bei allen möglichen Fortbewegungsmitteln schlecht. Das eine Ballonfahrt wetterabhängig ist und sich das gewählte Datum oftmals verschieben kann, kam mir gerade recht. Bei den Telefonaten mit dem Piloten bedauerte ich sehr, wenn wieder ein ausgewählter Flugtag wetterbedingt abgesagt werden musste. Sobald ich jedoch den Telefonhörer bei Seite legte, freute ich mich umso mehr. Zumindest für mich im Stillen, ich wollte ja nicht als Angsthase abgestempelt werden. Schließlich vertraute ich mich dem Piloten an und fragte, wie es eigentlich mit Höhen- oder Flugangst aussieht. Er versicherte mir, dass solche Ängste im Ballonkorb nicht ausbrechen würden. Denn dort hat man keine Verbindung mit der Erdumdrehung und da der Korb auch nicht schwankt, hat man das Gefühl, als stände man auf dem Fußboden. Wirklich beruhigt hatte mich diese Aussage nicht, schließlich kannte er meine Ängste nicht und ich war der Überzeugung, dass ich der einzige Mensch auf dieser Welt war, wo diese Theorie nicht greift. Mit zittrigen Beinen kam ich am Startplatz in Rurberg im Rurseezentrum an. Ich hatte mich schon an den Gedanken gewöhnt, die gesamte Fahrt sitzend auf dem Korbboden zu verbringen. Alle Fahrgäste packten beim Aufbau mit an. Man wuchs als Team zusammen und es war beeindruckend, wie groß eine Ballonhülle ist. Das Geschehen lenkte mich ab und ich hatte keine Zeit darüber nachzudenken, dass ich gleich in die Luft gehen sollte. Plötzlich gab der Pilot die Anweisung: „Los, schnell einsteigen.“ Es ging alles ganz schnell und ein Blick nach unten verriet mir, dass wir bereits eine beachtliche Höhe erreicht hatten. Der Pilot hatte Recht behalten, ich hatte kein mulmiges Gefühl, keine Übelkeit, keinen Schwindel und keine Angst. Die Fahrt war nicht nur für meine Mutter faszinierend, sondern auch für mich und ich konnte jede Minute in vollen Zügen genießen. Mich überkam ein Gefühl von Freiheit. Von oben wirkte der Nationalpark Eifel wie eine Modelleisenbahnlandschaft. Faszinierend, die Größe des Schutzgebietes Wasserfläche des Rursees mit dem eigenen Auge zu erkennen, was sonst nur auf einem Bild oder auf einer Wanderkarte möglich ist. Alle Alltagssorgen und Gedanken verschwanden und wirkten wie die Landschaft winzig klein. Auch wenn man in etwa 1000 Metern Höhe in der Luft unterwegs war, fühlte ich mich geerdet. Ein perspektiver Wechsel der besonderen Art, der mich noch wochenlang in meinem Alltag begleitete. Nach einer sanften Landung und dem zusammenpacken des Ballonequipments im Team, fand die traditionelle Ballonfahrertaufe statt. Diese erlebnisreiche Ballonfahrt konnte ich nicht vergessen. Es hat nur eine Ballonfahrt gebraucht, um den Wunsch zu entwickeln einen Pilotenschein für Heißluftballone zu machen. Und zwei Monate um zu erkennen, dass es keine Spinnerei ist und ich mich zur Ausbildung angemeldet habe. Heute kann ich sagen: „Ja, eine Ballonfahrt ist auch etwas für große und kleine Angsthasen. Ich bin der beste Beweis“.